Darm & Immunsystem
Vitamin D: Die drei Formen, gute Spiegel und warum die Dosis individuell ist
Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon. Für unseren Körper ist es lebenswichtig und für eine ganze Reihe von Funktionen unverzichtbar. Vor allem, wer in Nord- und Mitteleuropa lebt, hat ohne externe Zufuhr ganzjährig einen zu geringen Vitamin-D-Spiegel.
Warum brauchen wir überhaupt Vitamin D?
Viele Meinungen und Mythen kursieren über Vitamin D, das eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon ist. Auch wenn noch einige Fragen offen sind: Fakt ist, dass Vitamin D für unseren Körper lebenswichtig und für viele Funktionen unverzichtbar ist. Alle Krankheiten, die wir nicht haben wollen, bekommen wir leichter mit einem Vitamin-D-Mangel; Gesundheit und ein leistungsfähiger Körper gehen dagegen mit einer guten Versorgung einher.
Viele kennen Vitamin D nur im Zusammenhang mit den Knochenkrankheiten Osteoporose und Rachitis. Das Wirk-Spektrum ist aber viel größer. Jede Zelle unseres Körpers besitzt Rezeptoren für Vitamin D. Genetik wird darüber an- und ausgeschaltet, und unser Immunsystem kann in seiner Anwesenheit ganz anders arbeiten als in seiner Abwesenheit.
Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon.
Welcher Vitamin-D-Spiegel gilt als gut?
In der Studie des Robert-Koch-Institutes zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, die zwischen 2008 und 2011 durchgeführt wurde, ist bei 6995 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 79 Jahren die Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-VD) im Blutserum gemessen worden. Fachlich unterscheidet man dabei zwischen einem echten Mangel (unter 30 nmol/l, das entspricht unter 12 ng/ml) und einer Versorgung unterhalb der Zielschwelle (unter 50 nmol/l bzw. unter 20 ng/ml). Ein Mangel im engeren Sinne betraf etwa 30 Prozent der Erwachsenen, nach Standardisierung der Messmethode rund 15 Prozent; unterhalb der Zielschwelle von 20 ng/ml lagen zusammengenommen etwa 60 Prozent. Die Zielschwelle für eine ausreichende Versorgung liegt bei 20 ng/ml (50 nmol/l).
Welcher individuelle Zielbereich über die Schwelle hinaus sinnvoll ist, wird unter Fachleuten unterschiedlich bewertet und hängt von der einzelnen Person ab. Wer sich im Sommer viel in der Sonne aufhält, erreicht höhere Spiegel auf natürlichem Weg; allerdings belastet starke Sonnenexposition die Haut, und nicht alle vertragen sie gut.
Für die Bildung in der Haut ist UVB-Strahlung nötig: Aus einer Vorstufe des Cholesterins entsteht das Vor-Vitamin-D. Schon Sonnenschutzmittel mit einem Schutzfaktor über 10 führen dazu, dass in der Haut kein Vitamin D mehr gebildet wird, denn sie schirmen uns vor UVB-Licht ab. Interessant dabei: Das Cholesterin, der Vorläufer unserer körpereigenen Steroidhormone, und Vitamin D entstehen aus der gleichen Quelle.
Die Zielschwelle für eine ausreichende Versorgung liegt bei 20 ng/ml (50 nmol/l).
Warum gibt es keine pauschale Dosis für alle?
Vitamin D muss individuell sehr unterschiedlich betrachtet werden. Eine pauschal richtige Dosis gibt es nicht, denn der Bedarf hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Geschlecht, akute und vor allem chronische Krankheiten (Leber, Niere, Darm), Hauttyp und Hautpigmentierung, Darmflora, Genetik (unter anderem des Vitamin-D-Rezeptors), Sonnenexposition, Wohnort und Gebrauch von Sonnenschutzmitteln. Deshalb kann der tägliche Bedarf von Person zu Person stark schwanken; die passende Menge lässt sich am besten anhand des gemessenen Spiegels gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt festlegen.
In unseren Breiten können wir Vitamin D nicht in der benötigten Menge über die Nahrung aufnehmen. Von Ende September bis Anfang Mai kommt es auch über die Haut nicht zur Synthese, weil die Sonne zu tief steht und die nötigen UVB-Strahlen uns nicht erreichen. In der übrigen Zeit hilft nur, sich mittags länger mit viel nackter Haut draußen aufzuhalten; nur die Arme im Juli am späten Nachmittag an die Luft zu halten, bringt nichts.
Je nach Ziel und Lebensphase wird mit unterschiedlichen Dosierungen gearbeitet: einer Erhaltungsdosis für die dauerhafte Versorgung und, wenn ein Mangel vorliegt, zunächst einer höheren Anfangsdosis. Die konkreten Mengen gehören in ärztliche Hand und sollten sich am gemessenen Spiegel orientieren; gerade höhere Dosierungen nur nach Labordiagnostik und in Rücksprache mit einer fachkundigen Ärztin oder einem Arzt.
Eine pauschal richtige Dosis für alle gibt es nicht.
Welche drei Formen von Vitamin D gibt es?
In unserem Stoffwechsel gibt es drei verschiedene Vitamin-D-Formen: ein Vor-Vitamin-D (Cholecalciferol) und zwei Vitamin-D-Hormone (Calcidiol und Calcitriol). Das Cholecalciferol ist das, was wir supplementieren und rezeptfrei kaufen können; normalerweise wird es in der Haut mithilfe der UVB-Strahlung gebildet. Daraus entsteht zunächst in der Leber das 25-OH-VD, auch Calcidiol genannt, und in einem weiteren Schritt vor allem in der Niere das 1,25-OH-VD, auch Calcitriol genannt.
Beide Hormone sind funktionell aktiv, wirken aber sehr unterschiedlich. Zu wenig Calcidiol ist zwar nicht gut, doch auch bei hohen Blutspiegeln ist es nicht gefährlich. Calcitriol dagegen ist ein absolut lebenswichtiger Stoff, dessen Spiegel sehr streng reguliert wird. Wer vor den schlimmen Folgen von Vitamin D warnt, spricht in Wahrheit meist von Calcitriol. Das wird nur selten dazugesagt, weil vielen gar nicht bewusst ist, dass es drei verschiedene Formen gibt.
Leider ist oft nur pauschal von Vitamin D die Rede, ohne zwischen den drei Formen zu unterscheiden, und genau das sorgt für Verwirrung. Meist gilt: Bei der Therapie ist das Vor-Vitamin-D Cholecalciferol gemeint, bei einem Mangel der Blutspiegel von Calcidiol (25-OH-VD), und wer warnt, meint korrekterweise das Calcitriol.
Wer vor den Folgen von Vitamin D warnt, spricht in Wahrheit meist von Calcitriol.
Warum gehört eine Hochdosis-Therapie in ärztliche Hände?
Vitamin D sollte stets mit anderen Mikronährstoffen kombiniert werden, zu denen Calcium, Magnesium, Bor und Vitamin K2 gehören. Eine Hochdosistherapie gehört nur in ärztliche Hände: Sie erfordert fundierte Kenntnisse des Stoffwechsels und regelmäßiges Nachmessen.
Das Vor-Vitamin-D wird im Körper weiter in Calcidiol und Calcitriol verstoffwechselt, und die sogenannte D-Ratio entscheidet, was auf Organebene passiert. Fehlt dem Körper Calcium, verschiebt sich diese Ratio zugunsten des Calcitriols, das sich das Calcium dann aus dem Knochen holt; über Jahre kann das dem Knochen schaden. Deshalb ist es sinnvoll, unter einer höher dosierten Therapie beide Vitamin-D-Hormone im Blut zu messen.
Ob und wie viel Vitamin D sinnvoll ist, sollte man am gemessenen Spiegel festmachen und gemeinsam mit Ärztin oder Arzt entscheiden. Der Grundsatz lautet: messen, machen, messen, machen. Ohne Labordiagnostik und ohne Wissen macht eine länger durchgeführte isolierte Hochdosis-Therapie keinen Sinn, im Gegenteil, sie kann dem Körper schaden.
Der Grundsatz lautet: messen, machen, messen, machen.
Häufige Fragen
Ist Vitamin D ein Vitamin oder ein Hormon?
Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin, sondern ein Hormon. Jede Zelle unseres Körpers besitzt Rezeptoren dafür, und es ist an einer ganzen Reihe von Funktionen beteiligt, weit über die bekannten Knochenthemen wie Osteoporose und Rachitis hinaus.
Welcher Vitamin-D-Spiegel gilt als gut?
Als Zielschwelle für eine ausreichende Versorgung gelten 20 ng/ml (50 nmol/l). Gemessen wird dabei das 25-OH-Vitamin-D (Calcidiol) im Blut. Welcher individuelle Zielbereich darüber hinaus sinnvoll ist, wird unterschiedlich bewertet und sollte ärztlich anhand des gemessenen Werts festgelegt werden.
Warum sollte man Vitamin D nicht einfach hochdosiert allein einnehmen?
Weil eine längere, isolierte Hochdosis-Therapie ohne Labordiagnostik und Wissen keinen Sinn ergibt und dem Körper sogar schaden kann. Vitamin D sollte mit Mikronährstoffen wie Calcium, Magnesium, Bor und Vitamin K2 kombiniert und der Spiegel regelmäßig gemessen werden. Höhere Dosierungen gehören in ärztliche Begleitung.
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Die Akademie für Präzisionsmedizin vermittelt Ärzt:innen und Therapeut:innen den klinischen Umgang mit Mikronährstoffen.
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Dr. med. Simone Koch
Ärztin für funktionelle & Präzisionsmedizin, Autorin von fünf Büchern, Gründerin der Akademie für Präzisionsmedizin.